Paleoernährung – Eine Ernährungsform mit Beipackzettel

Ich wurde gebeten doch ein paar Worte zum Thema zu verlieren, weil in einer Schweizer Zeitung einen Artikel erschienen ist. Darum melde ich mich wieder zurück aus der Sommerpause und freue mich auf viele folgende Blogs.

«Wenn eine Ernährungsform sich wichtiger gibt als sie ist:»

Die Aussage, dass in der heutigen Zivilisation mehr Erkrankungen existieren, kann nicht am Zuckerkonsum liegen. Der stagniert in der zivilisierten Welt seit mehreren Jahrzehnten. Was jedoch steigt ist der Druck auf den einzelnen Menschen. Durch den Druck haben wir immer weniger Zeit für uns, unser Essen und unsere Work – Life Balance. Stress ist ein wichtiger Kofaktor für die Verstärkung all den Erkrankungen (nicht übertragbare Erkrankungen), welch wir in unserer Zivilisation immer mehr antreffen. Mehr Druck auf uns im Alltag heisst wiederum , wir geben dies unserem Körper weiter, wir instrumentalisieren ihn immer mehr als Knautschzone des Cashflows der Gesellschaft und pressen ihn aus. Der Kopf hat ein Bewusstsein, das will leisten, der Körper muss es richten. Dies jedoch oft ohne genügend gefrühstückt zu haben, über Mittag sind Sitzungen angesagt, gegessen werden Sandwiches aus der Kühlbox.

Wir alle würden nie in ein Auto sitzen ohne Benzin und gleichzeitig abfahren wollen, mit unseren Körpern tun wir dies leider oft täglich. Nennen wir dies nun artgerechte Haltung? Natürlich nicht! Hier zu sagen, dass die Ernährung verantwortlich ist für mehr Erkrankungen ist engstirnig. Wir müssen doch nicht auf den Rauch schiessen, sondern aufs Feuer. Lass uns die Ursachen bekämpfen und nicht die Symptome. Und genau dies passiert eben nicht bei Paleo.

Alle modernen Ernährungsrichtlinien sehen Zucker kritisch, Kohlenhydrate in grösseren Mengen auch. Dies beginnt beim sehr geschätzten Dr. Nicolai Worm mit LOGI® und hört heute bei Weight Watchers, dem weltgrössten System zur Gewichtsreduktion auf. Wir alle haben begriffen, dass zu viele Kohlenhydrate dick machen. Wir alle werden dann dick, wenn wir über den Tag viel zu wenig essen, unsere Ernährungsbedürfnisse aufgrund des erhöhten Stress im Alltag kaum wahrnehmen. Wir kommen später nach Hause, können zum ersten Mal im Tag die Füsse hochlegen, nachdem wir über den Tag die Welt mindestens einmal retten mussten. Natürlich haben wir dann Lust auf Kohlenhydrate, die beruhigen nämlich. Schwups sind es dann aber bald ein paar mehr als in den Tank gehen und siehe da, der Bauch wird auch immer grösser. Dies nun, liebe Paleo Anhänger, ist nur veränderbar, wenn wir eine Lebensstiländerung machen. Dies geht nicht mit Zwängen oder Verboten oder wirren Scheinlegitimationen durch «ich esse Fleisch wie unsere Vorfahren». Es geht nur mit einer Lebensstiländerung, dann kann nämlich auch Pasta und Milch gegessen werden und wir bleiben schlank.

Wir messen seit nun fast 4.5 Jahren (ca. 4500 Messungen) bei jedem Kunden den kompletten Stoffwechsel anhand wissenschaftlicher Standardmethoden, wir bilden Korrelationen mit psychologischem und physiologischem Stress und unserer Ernährung. Was wir gesehen haben? Dass eine Verringerung von Kohlenhydraten zwar all jenen sehr viel bringt, welche wenig Stress im Alltag haben den Körperfettanteil (vor allem am Bauch kurzfristig) zu reduzieren. Haben diese Menschen jedoch einen grossen Stress (Belastung oder Überlastung) im Alltag, dann wird der Körper spätestens nach 4-6 Wochen rebellieren. Schlafstörungen, Libido - Störungen, der Fettabbau in Beinen und Armen wird gestört, Schilddrüsenhormone sinken, die langfristigen Zucker (HbA1c) steigen wieder, der Stoffwechsel geht stark zurück, sowohl im aeroben wie im anaeroben Bereich. Faktisch sehen wir, kurzfristig kann die Ernährungsumstellung etwas bringen, aber langfristig ist der Lebensstil der Chef und nicht das, was wir essen!

Der Körper senkt unter Stress die Fähigkeit Körperfett abzubauen und zu verbrennen, auch das können wir darstellen. Dadurch bekommen wir aber immer mehr Lust auf Süsses/Salziges oder Brot. Wer über Mittag im Stress nun einen kleinen Teller Pasta isst, über Tag auch Vollkorn – Kracker (wir haben in Untersuchungen Blevita getestet), der kommt entspannter nach Hause und vor allem bei dem sinkt der Stoffwechsel nicht komplett. Stress mit zu wenigen Kohlenhydraten ist der maximale Stoffwechsel - Killer!

Wer nun zudem noch Sport treibt, der hat mit Paleo komplett verloren. Wir haben den Einfluss von Zucker während längeren (!) Phasen intensiven Trainings (Crossfit, Freeletics oder Krafttraining) oder lockeren Trainings nach stressigen Tagen mit Breitensportler und Hochleistungstrainierten getestet. Wer den Zucker weglässt, der stresst den Körper zusätzlich, dieser führt dazu, dass der Körper nicht mehr richtig regenerieren kann, aus einem Gleichgewicht kommt. Dies hat einen deutlich negativen Einfluss auf die psychologische Stabilität, die Libido bei Frau und viel Stärker beim Mann sinkt, Schilddrüsenhormone auch bei Leistungssportlern (insbesondere Ausdauersportlerinnen), Darmsensibilität, Belastungsasthma. Insbesondere Frauen bekommen immer mehr Durchblutungsstörungen, immer mehr Wasser in den Beinen, ein schlechteres Hautbild usw. Wenn der Kopf den Körper «UNPHYSIO – LOGISCH» vergewaltigt, dann muss er sich nicht fragen, wenn der Körper nun plötzlich motzt.

Paleo ist eine absolut unökologische Ernährungsreligion, welche Lebensmittel verteufelt ohne die grossen Zusammenhänge im Lebensstil und in der Ernährung wirklich begriffen zu haben. In der heutigen Zeit auf Lebensmittel zu schiessen, ist wie wenn ein Arzt ein Tablettchen gibt oder ein Zäpfchen um den Patient wieder «gesund» zu machen. Probleme lösen wir so nicht! Es scheint zwar super einfach und logisch für den Kopf, viel Geld verdienen wir auch mit der Ernährung nach Scheinlogik. Der Körper hat jedoch wenig Freude daran. Der Kopf ist zwar die Geschäftsleitung, ohne Belegschaft kann er sich gleich ins Grab legen.

Wer diese Ernährungsform testen möchte, dem empfehle ich dringend auf die Schlafqualität zu achten. Diese (wie auch die Libido, Entzündungsgeschehen) usw. kann sich zu Beginn stark verbessern, da sich vor allem das Körperfett im Bauchbereich reduzieren lässt. Es hat einen stark negativen Einfluss auf den Körper. Durch die Reduktion des Bauchfetts ergeben sich positive Effekte welche in den positiven Studien dargelegt werden. Wer aber nach 4 – 6 Woche plötzlich immer dünnhäutiger wird, weniger schlafen kann und bei dem in der Körperfettreduktion nichts mehr passiert, der hat bemerkt, dass dringen eine Änderung sein muss. Und eine Ernährungsform, welche nicht langfristig funktioniert, die sollte ein Beipackzettel haben.

Ich wünsche euch eine tolle Woche, freue mich, wenn der Beitrag geteilt wird und vor allem auch zum Nachdenken anregt. Falls ihr Anregungen für Themen habt, dann freu ich mich auf ein Mail auf "bs@erpse.ch"

 

Euer Jürg Hösli